Während viele sich mit der Planung ihres Ruhestands beschäftigen, wird die mentale Vorbereitung oft übersehen.
Inhaltsverzeichnis
Wie dich Mindset, Altersbilder und deine Haltung zum Altern beeinflussen
Wie du über dein Altern denkst, entscheidet darüber wie zufrieden du diese Lebensphase erlebst.
Und: es ist wissenschaftlich belegt, dass eine positive Haltung zum Alter(n) lebensverlängernd wirkt.
Es geht also um deine Lebensqualität und Lebensdauer!
Zwei wirklich starke Argumente, um sich deiner Haltung zum Altern – deinem Altersmindset – zu beschäftigen.
Gratulation, falls du mit einer positiv realistischen Sicht auf das Alter gesegnet bist.
Für alle, die (noch) nicht so denken, gibt es einiges zu tun, zu verändern und vieles zu verbessern und zu gewinnen!
Was hindert uns an einem zuversichtlich optimistischen Blick auf das Alter?
Meiner Erfahrung nach sind es negative Altersbilder, fehlende positive Vorbilder und manchmal Selbstsabotage.
Drei Stolpersteine, die wir auf dem Weg zu unserem Altersmindset aus dem Weg räumen wollen.
Dein Altersmindset verstehen
Warum dein Mindset dein Altern prägt
Wir leben in einer Leistungs- und Arbeitsgesellschaft, die unser Denken, Einstellungen, Haltungen, Werte … – eben unseren Denkrahmen / Mindset prägt und beeinflusst.
Das zeigt sich auch in unserer Sprache, die heute stark auf Leistung, ökonomischen Nutzen und Technologie ausgerichtet ist: Human Resources, Leistungsträger, Kennzahlen, Output …
Negative Altersbilder und ihre Wirkung
In Wirtschaft, Politik, Medien und vielleicht auch in deinem Umfeld finden sich eher negative Einstellungen zu älteren Beschäftigten: man gehört nicht mehr dazu, zählt zum alten Eisen, gilt als weniger belastbar und lernfähig, dabei als zu teure Arbeitskraft, die scheinbar leicht ersetzbar ist.
Viele ältere Menschen klagen, im Alltag Formen der Altersdiskriminierung zu erleben.
Kein Wunder, dass auch die Begrifflichkeiten, die wir mit Alter und Rentenzeit assoziieren, eher negativ und trist klingen.
Themen in Politik und Gesellschaft sind: Altersarmut, Rentenlücke, Einsamkeit, Demenz, Altersheim, alternde Gesellschaft, Pflegenotstand, Alterskrankheiten, Generationenkonflikt, …
Diese einseitig defizitorientierte Sicht auf das Alter ist für viele Menschen eine große Hürde sich mit der Rente und dem Alter zu beschäftigen.
Realität: Was Alternsforschung zeigt
Zum Glück gibt es heute mehr und mehr Alters- und Alternsforschung mit aktuellen Forschungsergebnissen, die ein moderneres Altersbild zeichnen.
Allerdings haben die Fakten es immer noch schwer gegenüber lange verinnerlichten Vorstellungen und Mythen vom Alter.
Die steigende Lebenserwartung scheint im gesellschaftlichen Bewußtsein angekommen zu sein.
Der deutlich verbesserte physische und psychische Gesundheitszustand der älteren Bevölkerung und eine
höhere Zufriedenheit mit dem Leben (im Vergleich zur Generation der 40–50 Jährigen) haben es aber weiterhin schwer gegen die Negativ-Schlagzeilen.
Die Chance deiner Generation
Mache dir die Chance deiner Generation, die jetzt in Rente geht, bewusst:
- Wir sind die erste Generation, die so gesund und gut ausgebildet in Rente geht.
- Dank Medizin und Gesundheitssystem können wir deutlich länger aktiv leben.
- Es eröffnen sich viele unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten für die Rente.
- Dabei liegt noch eine Lebensspanne von 15–30 Jahren vor uns. Das ist ein Viertel bis ein Drittel unseres Lebens.
- Angesichts dieser Lebensdauer macht es Sinn, diese Lebensphase zu planen und zu gestalten.
- Logisch, dass es uns (noch) an passenden Vorbildern mangelt.
- Wir sind Pioniere des bunten Alters!
Diese neuen Chancen für die Lebensphase Freiheit lassen sich nicht mit dem bisherigen Altersbild vereinbaren. Das hinkt der aktuellen Situation meilenweit hinterher.
Alter ist nicht gleich Alter
Auf Grund der Alternsforschung erkennen wir heute, dass wir das Alter differenzierter betrachten sollten.
Es macht einen großen Unterschied, ob wir mit Ü60 im „jungen Alter“ unser Leben aktiv gestalten und ind der Lebensphase Freiheit vielleicht nochmal neu ausrichten.
Oder ob wir mit 75/80 Jahren mit stärkeren körperlichen Einschränkungen rechnen müssen. Auch wenn wir gesünder altern als Generationen zuvor, ab 85/90 zeigen sich die größten individuellen Unterschiede im Gesundheitszustand.
Wir sollten nicht „das Alter“ in einen Topf werfen.
Die gesamte Lebensphase Alter umfasst mehrere Generationen.
Oder würdest du bei Erwachsenen auch keinen Unterschied zwischen einem 30- und einer 60-jährigen Person machen?
Meine Impulse als Coachin
- Lass dich nicht durch diese negative Sprache runterziehen.
- Verwende positive oder neutrale Begriffe.
- Sei kreativ und eigensinnig.
- Finde neue Bezeichnungen, die für dich passen, z. B. Lebensphase Freiheit.
- Botschaften, die du aussprichst und verwendest, prägen dein Denken!
Wie du dein Altersmindset veränderst
- Überprüfe deine Gedanken zum Alter und Altern und hinterfrage sie, ob sie tatsächlich immer stimmen.
- Suche bewusst nach Fakten, gesicherten und transparenten Informationen und WIssen, die sich realitisch, aber auch zuversichtlich mit dem Thema beschäftigen.
- Achte auf die Qualität von Quellen, Medien und Social Media Kanälen, Verlagen, Forschern und Experten.
Und: unterscheide zwischen gesicherten Aussagen oder individuellen Sichtweisen und Erfahrungen. - Stelle dich deiner Situation, deinem chronologischen und biologischen Alter mit allen Fakten, Infos und Statistiken und überlege dir: Wie alt erwartest du zu werden?
- Achte auf deine Sprache – auch bei Selbstgesprächen – und werde dir der Kraft der Sprache bewusst.
Vorbilder als Orientierung nutzen
Warum Vorbilder wichtig sind
Wenn wir an Vorbilder fürs Altern denken, kommen uns meist als Erstes unsere Eltern und Großeltern in den Sinn.
Einerseits verständlich, stehen sie uns doch am nächsten. Und du kannst aus ihrer Haltung zum Alter erste Hinweise ableiten.
Grenzen klassischer Vorbilder
Andererseits: welches Leben habe diese beiden Generationen vor uns geführt? In welchen Zeiten haben sie gelebt, durch welche Zeiten wurden sie geprägt?
Meine Großeltern sind um die Jahrhundertwende (1899-1908) geboren und haben beide Weltkriege, Nationalsozialismus, Flucht und Wiederaufbau erlebt. Meine Großväter sind im Alter von 50 bzw. 80, ihre Frauen mit 92 und 99 Jahren gestorben.
Meine Eltern sind 1930/32 geboren, beide Kriegs-und Flüchtingskinder. Mein Vater wurde 80, meine Mutter 90 und lebte bis zu dem Schlaganfall kurz nach ihrem Geburtag noch selbständig im Haus mit Garten.
Aus diesen familiären Wurzeln weiß ich, dass meine Vorfahren zufrieden waren mit ihrem Alter und über ihre Rollen ind der Familie gefunden hatten. Aber für praktische Aspekte zur Lebensgestaltung für meine Lebensphase Freiheit, taugen diese Vorbilder durch die völlig andere Zeit, Lebenssituation, Gesellschaft und Rahmenbedingungen wenig.
Wie du passende Vorbilder findest
Wenn ich von positiven Vorbildern fürs Altern spreche, geht es mir nicht um Nachahmung. Ich suche Anregungen, Ideen, Beispiele für neue Lebensmodelle, neue Optionen …
D.h., ich muss nicht alle Facetten der Persönlichkeit des Vorbildes achten und bewundern. Sondern einige Aspekte ihres Handelns im Bezug auf den Umgang mit Altern und Altersbildern.
- Als Vorbilder kommen einerseits Menschen in Frage, die wir schon länger schätzen. Und jetzt interessiert uns besonders, wie sie ihr Alter gelebt haben. Liest du gerne Biografien? Dann wirst du da bestimmt fündig.
Ich fand z.B. die Altersbiografien von Pucasso, Astrid Lindgren, Hennig Scherf, … interessant. - Andererseits gibt es zum Glück mehr und mehr Menschen unserer Generation oder etwas älter, die ihren Ruhestand mit einem positiven Mindset gestalten und über ihren eigensinnigen Weg berichten.
Dazu empfehle ich die Lektüre zweier meiner Lieblingsbücher: Wir wollen es nochmal wissen! Frauen die kein Alter kennen“
15 Portraits und Interviews von Frauen Ü65.
„Auf das Leben!“ von Susanne Ackstaller mit 17 Portraits von Frauen in der zweiten Lebenshälfte. - Im Zeitalter von Social Media berichten zunehmend auch mehr Menschen Ü50 oder 60 über ihre nachberufliche Lebensphase.
Welches Format spricht dich an: Blogs zum Lesen, Podcasts für die Ohren oder lieber Videos?
Hier entdeckst du bestimmt spannende Vorbilder für das Altern im 21. Jahrhundert. - Zwei Podcasts als Beispiel für unsere Zielgruppe: „Gelassen älter werden“ von und mit Bertram Kasper und Catharina Maria Klein und
„immer frei, so geht Rente“ mit Matthias Bongards vom wdr als Moderator. - Lass dich von der Lebensfreude von der Bloggerin Susanne Ackstaller und ihrem Blog Texterella oder Greta Silver (inzwischen 70plus) anstecken, die in Videos, Büchern und Social Media Menschen Ü60 für ein aktives Leben begeistern will.
- Auf Plattformen wie blogs50plus findest du viele Blogs mit Lebensberichten und allem was die Blogger und Bloggerinnen Ü50 interessiert.
Fragen zur eigenen Orientierung
Zu welchen Fragen oder Themen suchst du Vorbilder, Anregungen, Impulse?
- Wann ist der „richtige“ Zeitpunkt für die Rente?
- Weiterarbeiten – aber anders?
- Nochmal völlig neu durchstarten?
- Auswandern oder Leben an anderen Orten?
- Wie kann eine Neuorientierung aussehen?
- Partnerschaft, Freundschaft, Familie …- Beziehungen neu gestalten?
- Umgang mit Krankheiten, Unsicherheit, Pflege und Sterben von Angehörigen um?
Selbstsabotage erkennen und durchbrechen
Typische Denk- und Verhaltensmuster
Wenn du Veränderungen angehst, tauchen oft Gedanken auf wie:
- „Was, wenn das Geld nicht reicht?“
- „Das macht man doch nicht mehr in dem Alter.“
- „Ich sollte noch … bevor ich gehe.“
Warum diese Gedanken entstehen
Diese Gedanken sind eine normale Reaktion unseres Gehirns auf Veränderung.
Es geht um Sicherheit.
Um Verlassen der Komfortzone.
Um einen echten Übergang.
Wie du damit umgehen kannst
Akzeptiere diese Gedanken.
Prüfe sie.
Und gehe trotzdem weiter.
In kleinen Schritten.
Mit Experimenten.
Und mit Klarheit über dein Ziel.
Kommen wir nun von anderen Menschen als Leitbildern wieder zu dir.
Denn wir können nur uns selbst verändern – weder die Anderen noch die Umstände, Rahmenbedingungen.
Angenommen du willst jetzt in Rente gehen, planst einen Wohnortwechsel und eine neue Aufgabe z.B. im Ehrenamt.
Wenn du nun aktiv diese Veränderungen in Angriff nimmst, wirst du feststellen, dass trotz Ziel und Motivation, störende Gedanken und Bedenken auftauchen.
Jeder Mensch hat da sein eigenes „Störungsmuster“.
- Die eine sieht überall eine Katastrophe lauern:
„Und was, wenn das Geld doch nicht reicht? Ich sehe mich schon unter der Brücke.“ - Andere Menschen sind gewohnt sich immer schön an die Regeln zu halten:
„Wenn alle bis 67 Jahren arbeiten, dann muss ich das doch auch.“
„Im Alter nochmal umziehen? Nein, du hast es doch so schön und wohnst so günstig. Vom eigenen Haus trennt man sich doch nicht.“ - Oder wir setzen uns unter Druck: „Die nächste Karrierestufe muss ich noch erreichen bevor ich in Rente gehe. Zähne zusammenbeißen!“
Keine Panik! Diese selbstblockierenden Gedanken sind eine normale Reaktion unseres Gehirns auf die „drohende“ Veränderung.
Es geht ja auch um einen tiefgreifenden Transformationsprozess. Diese Bedenken sollen uns warnen, dass wir jetzt die Komfortzone definitiv verlassen.
Akzeptiere diese Gedanken. Bedanke dich bei deinem Unterbewusstsein für die Hinweise und prüfe die Bedenken. Sind diese Aussagen „wirklich immer wahr“? Versprich deinem Unterbewusstsein wachsam zu sein und halte an deinen Plänen fest.
Am besten du holst dir deine positive Motivation für das attraktive Ziel immer wieder ins Gedächtnis und gehst dann in kleinen Schritten Richtung Ziel. Überlege dir, ob du mit Experimenten mehr Sicherheit erlangen kannst. Und an welchen Weichenstellungen du deinen Weg wieder überprüfen willst.
Gespräche mit Freunden, Familie und dem Partner sind im frühen Planungsstadium nur sinnvoll, wenn du mit Unterstüzung rechnen kannst.
Bedenke, dass alle dir nahestehenden Menschen immer auch ihre eigenen Interessen verfolgen und von deinen Veränderungswünschen vielleicht wenig begeistert sind. Einen „objektiven“ Rat kannst du hier nicht erwarten.
Manchmal ist dies der Grund, warum Menschen ein Ruhestandscoaching buchen. Sie suchen einen wirklich neutralen, vertrauensvollen Gesprächspartner. Mit dem sie alle Oprionen, Perspektiven und geheimen Wünsche ansprechen und durchdenken können, ohne Rücksicht auf bestehende Beziehungen und Erwartungen.
Fazit – deine mentale Grundlage für die Lebensphase Freiheit
Ich hoffe, du kannst dich mit Hilfe der genannten Impulse jetzt besser emotional und mental auf deinen Ruhestand vorbereiten.
Durch die Veränderung deiner Haltung, die Suche nach Vorbildern und das Erkennen eigener Denkblockaden entsteht Schritt für Schritt Klarheit.
Und daraus entwickelt sich dein authentischer Weg in die Lebensphase Freiheit.
Denn: Planung und mentale Vorbereitung greifen ineinander.
Dieser Beitrag ist die überarbeitete und erweiterte Fassung eines Blogartikels vom 18.07.2021.