Wenn Du dein Leben nach dem Berufsausstieg planen willst, werden dir wahrscheinlich drei Herausforderungen begegnen.

In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, wie wir diese Hindernisse erkennen und vor allem, wie du sie bewältigst, damit du im Ruhestand die Freiheit leben kannst, die du dir wünschst.

Diese Herausforderungen auf dem Weg zu einer erfüllten Lebensphase Freiheit (so nenne ich den Ruhestand) beschreibe ich aus meiner Perspektive als Coach und als Mensch, der selbst in der Umbruchsituation steckt und sich intensiv damit beschäftigt, vieles dazu liest und reflektiert.

Die drei Hindernisse, die ich identifiziert habe, benenne ich mit Mindset – Vorbilder – Selbstsabotage.

Wenn möglich schreibe ich gern „deutsch“. D.h. Fremdwörter und Anglizismen verwende ich nur, wenn ich es für das Verständnis für wichtig erachte. Das ist bei dem Begriff Mindset der Fall, der sich nicht eindeutig ins Deutsche übersetzen lässt. Was ich unter Mindset versteht habe ich in diesem Beitrag ausführlich erklärt.

 

1. Dein Mindset prägt dein Bild von Alter und Ruhestand

Unsere Leistungs- und Arbeitsgesellschaft prägt unser Denken und unsere Vorstellungen, Haltungen, Einstellungen, Werte  – also unser Mindset sehr stark. Wir erkennen das auch an unserer Sprache, die sehr stark auf Leistung, ökonomischen Nutzen und Technologie ausgerichtet ist: Human Resources, Leistungsträger, Kennzahlen, Output …

Wenn wir schauen, welche Begriffe in Politik, Medien und vielleicht auch in deinem direkten Umfeld mit der Lebensphase Ruhestand verwendeten werden, dann sind das: Rente, Alter, Rentenlücke, Demenz, Altersarmut, Altersheim, Pflegestufe, alternde Gesellschaft, Pflegenotstand, Generationenkonflikt, Krankheiten, nachlassende Leistungsfähigkeit …

Lass dich nicht durch diese negative Sprache und Haltung runterziehen, sonst sickern diese Botschaften auch in dein Denken ein!

Die einseitig defizitorientierte Sicht auf das Alter ist eine erste Hürde sich mit dem eigenen Alter zu beschäftigen. Erst langsam sorgen Alters- und Alternsforschung mit aktuellen Forschungsdaten  für ein „ausgeglicheneres“ Altersbild.  Fakten wie die steigende Lebenserwartung, ein verbesserter Gesundheitszustand der älteren Bevölkerung und eine höhere Zufriedenheit mit dem Leben (im Vergleich zur Generation der 40-50 Jährigen)  haben es aber weiterhin schwer gegen die Negativ-Schlagzeilen von den meisten Menschen wahrgenommen zu werden.

  • Machen wir uns bewusst:
  • Wir sind die erste Generation, die so gesund und gut ausgebildet in den Ruhestand geht und dabei noch eine Lebensspanne von 15-30 Jahren vor sich hat.
  • Logisch, dass es uns an (vielen) passenden Vorbildern mangelt.
  • Diese Lebensphase nach dem Beruf dauert also ca. ein Viertel bis ein Drittel unseres Lebens!
  • Deshalb macht es wohl Sinn, dieser Lebensphase ebenso viel Aufmerksamkeit zu geben wie der Ausbildung oder der Vorbereitung auf den Beruf.  😉

In unserem Mindset und überholten Denken hinken wir dieser Entwicklung hinterher. Wenn es um die Lebensphase nach dem Beruf geht, wird alles was Ü60 ist, in einen Topf geworfen – egal ob es sich um die Altersgruppe von 60 bis 75 oder 90 bis Ü100 handelt. Das wäre so, als wenn wir keine Alterunterschiede zwischen 30 und 60 Jahren sehen würden!

 

Wie kannst du die Hürde „Mindset“ im Selbst-Coaching meistern?

  • Überprüfe deine Gedanken zum Thema Alter und hinterfrage sie!
  • Suche nach Fakten und transparenten Informationen, die sich kritisch und realistisch aber auch optimistisch mit der Lebensphase Alter beschäftigen.
    Hier empfehle ich die Bücher des Altersforschers Dr. Sven Voelpel „Entscheide selbst wie alt du bist“ und „Die Jungbrunnen-Formel“ – auch wenn mich die Buchtitel eher abschrecken.
  • Stelle dich deiner Situation und deinem Alter mit allen Fakten, Infos, Statistiken, die dir zur Verfügung stehen.
    Wie alt erwartest du zu werden?
  • Mache z.B. den Test auf der Website von Sven Voelpel und finde dein tatsächliches biologisches Alter heraus.
    Mich hat es durchaus motiviert, dass mein biologisches Alter 12 Jahre jünger ist.  😉
  • Achte auf deine Sprache und werde dir der Kraft der Sprache bewusst. Hier finde ich Bücher und Videos von Mechthild R: Scheurl von Defersdorf hilfreich.

 

2. Wie dich Vorbilder bei der Planung deines Ruhestandes unterstützen können

Die meisten Menschen denken bei Vorbildern für das Alter an die eigenen Eltern oder Großeltern. Überlege mal: welches Leben haben diese dir nahestehenden Menschen geführt und zu welchen Zeiten haben sie gelebt, durch welche Zeiten wurden sie geprägt? Meine Großeltern sind um die Jahrhundertwende geboren (1899 bis 1902) und haben beide Weltkriege, Flucht und Wiederaufbau erlebt. Meine Großmütter sind im Alter von 92 und 99 Jahren gestorben. Meine Eltern sind 1930/32 geboren, mein Vater verstarb mit 80, meine Mutter ist zwar in ihrer Mobilität eingeschränkt und genießt mit 89 Jahren das Leben in ihrem Haus und Garten.

Aus diesen Vorbilder kann ich  die Haltung ableiten, wie meine direkten Vorfahren dem Alter begegnet sind – positiv, wertschätzend. Für praktische Aspekte, wie z.B. die Fragen und wo ich meine Lebensphase Freiheit leben will, taugen diese Vorbilder durch die völlig andere Zeit, Gesellschaft und Rahmenbedingungen nicht.

 

Wie findest du passende Vorbilder für die neue Lebensphase?

Wenn ich von Vorbildern spreche, geht es mir nicht um Nachahmung und 1:1 Imitation. Sondern ich suche in den Biografien Anregung für eigene Ideen. Besser geeignet scheint mir der Begriff „Leitbild“. D.h., ich muss nicht die Person in Gänze bewundern, sondern einige Aspekte ihres Handelns nehme ich mir als Leitbild.

  • Als Vor- oder Leitbilder kommen einerseits Personen in Frage, die wir schon lange schätzen, wo uns jetzt  besonders interessiert, wie sie ihr Leben im Alter gestaltet haben. Vielleicht liest du gerne Biografien? Ich fand z.B. die Altersbiografien von Picasso, Hesse, Astrid Lindgren, Henning Scherf, … interessant.
  • Andererseits gibt es zum Glück mehr und mehr Menschen, die ihren Ruhestand mit einem positiven Mindset gestalten.
    Sie erkennen die Chancen, Freiheiten und wählen aus den Möglichkeiten gezielt aus, was sie in ihrem Leben nach dem Beruf erleben wollen.
  • Dazu empfehle ich die Lektüre eines meiner Lieblingsbücher: „Wir wollen es nochmal wissen! Frauen die kein Alter kennen“ mit 15 Portraits und Interviews von Frauen Ü65.
  • Im Zeitalter von Social Media berichten zunehmend mehr ältere Menschen über ihre nachberufliche Lebensphase.
    Schaue welches Format dich anspricht und suche nach Blogs, Podcasts, Youtube-Videos, aber auch in TV-Beiträgen oder Büchern. Hier entdeckst Du bestimmt das ein oder interessante Vorbild für das Altern im 21. Jahrhundert und kannst die eine oder andere Anregung übernehmen.
  • Lass dich von der Lebensfreude von Greta Silver anstecken, die in Videos, Büchern und Social Media über ihr Leben (inzwischen 70plus) und Menschen Ü60 für ein aktives Leben begeistern möchte.
  • Oder schau auf der Plattform blogs50plus nach den Lebensberichten, Blogs und Anregungen, die dich thematisch oder persönlich ansprechen.
  • Wer Vorbilder sucht, um möglichst gesund und fit im Ruhestand zu leben, findet viele gute lesbare Anregungen auf aktuellen wissenschaftlichen Niveau im Bestseller von Sven Voelpel „Entscheide selbst, wie alt du bist.“

 

Also suche dir Leitbilder für die Vielfalt der Optionen im Leben nach dem Beruf:

  • Wann ist der ideale Zeitpunkt für den Ruhestand?
  • Weiterarbeiten, ja, aber bitte nicht im alten Beruf – sondern …?
  • Nochmal völlig neu durchstarten?
  • Wie kannst du deine Leidenschaft/Hobby zum Beruf machen (Schreiben, Malen, Fotografieren, Segeln …)?
  • Wie bringst du Veränderungen in dein Leben?
  • In welchem Biotop willst du ich leben? Einige Menschen gehen auf Weltreise und werden Nomaden, andere wandern aus. Willst du das Umfeld wechseln – vom Land in die Stadt oder umgekehrt?
  • Wie findest du das passende Biotop und brauchst du eher Abwechslung oder Ortsverbundenheit?
  • Und wie bringst du alles mit Partnerschaft, Familie unter einen Hut?

 

3. Selbst-Sabotage beenden

Kommen wir nun von den anderen Menschen als Leitbildern wieder zu dir. Denn wir können nur uns selbst verändern – nicht die Anderen oder die Umstände, Rahmenbedingungen … Das gilt natürlich auch für deine neue Lebensphase Freiheit.

Nehmen wir mal an, du willst den Vorruhestand beantragen, planst einen Wohnortwechsel und/oder eine neue (Neben-)Beschäftigung. Wenn du nun aktiv diese Veränderungen in Angriff nimmst, dann merkst du häufig, dass trotz aller Motivation und des attraktiven Ziels, Gedanken aufkreuzen, mit denen du dich selbst störst. Jeder Mensch hat da sein individuelles Störungsmuster:

  • Der eine sieht überall eine Katastrophe: „Das Geld im Ruhestand wird nie reichen, ich sehe mich schon unter der Brücke“.
  • Andere Menschen richten sich nach überkommenen Regeln:  „Wenn alle bis 67 arbeiten, muss ich das auch“ oder
    „Im Alter nochmal umziehen? Nein, vom eigenen Haus trennt man sich nicht!“ – auch wenn es viel zu groß, nur noch eine Last ist und man viel lieber in einem anderen Umfeld leben würde.
  • Oder du setzt dich unter Druck: „Ich muss unbedingt noch weiterarbeiten, egal wie es mir im Job geht“.

Vielfach ist es schon ausreichend zu wissen, dass diese selbstblockierenden Gedanken „normal“ sind in Transformationsprozessen. Am besten du holst dir deine Hin-zu-Motivation für das Ziel immer wieder ins Gedächtnis und gehst mit Ausdauer und kleinen Schritten durch das „Tal der Bedenken“.

Gespräche mit Freund:innen, Familie und Partner:in sind an dieser Stelle nur hilfreich, wenn diese Menschen selbst auf einem ähnlichen Weg sind und dich unterstützen. Bedenke, dass dir nahestehende Personen immer auch eigene Interessen verfolgen und niemals wirklich neutral beraten können.

Das kann u.a. ein Grund sein, warum Menschen ein Ruhestandscoaching buchen. Sie suchen einen wirklich neutralen, vertrauensvollen Gesprächspartner mit dem sie alle Perspektiven und Wünsche ansprechen und durchdenken können, ohne Rücksicht auf bestehende Beziehungen und Erwartungen.

 

Fazit:

Hoffentlich konnte ich dir mit diesem Beitrag Impulse geben, wie du dich mental auf den Ruhestand vorbereiten kannst.

Du siehst, es sind viel kleine Schritte. Und du wirst erkennen, dass du durch die Selbstbeobachtung in punkto Mindset, Vorbilder und Selbstsabotage mittelfristig viel erreichst. Du kommst wieder in Kontakt mit deinen Wünschen, Lebenszielen und entwickelst mehr und mehr Klarheit, was du von deinem Ruhestand erwartest.

Nach und nach wächst die Freiheit im Denken, deine Ideen werden fantasievoll und du denkst „Out of the Box“. Oft kommt ein ganz individueller „unkonventioneller“ Lebensentwurf dabei heraus – in jedem Fall wird es ein authentischer Plan sein.

Für viele Menschen ist der Weg über das Selbst-Coaching ungewohnt, und sie wünschen sich einen persönlichen Gesprächspartner und eine individuelle Begleitung. Andere wollen den Transformationsprozess möglichst beschleunigen und Fehler oder Umwege vermeiden.

Dann bietet sich ein Ruhestandscoaching an, wie ich es in mehreren Formaten anbiete. Die in diesem Beitrag aufgezeigten Aspekte Mindset, Vorbilder und Selbstsabotage spielen in meinem Angebot zur Veränderungsbegleitung in den Ruhestand eine große Rolle.

 

Welchen Impuls willst du aufgreifen?

Über Feedback zu deinen Erfahrungen mit den oben genannten Impulsen würde ich mich sehr freuen!
Oder magst du deine Ansätze und Strategien für deine Ruhestandsplanung mit uns teilen?

Herzliche Grüße und alles Gute auf dem Weg in die Lebensphase Freiheit!

Gudrun Behm-Steidel